Oliver Lindner

Herzlich Willkommen

Gute Weine aus dem nördlichsten Weinanbaugebiet

Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut in Sachsen-Anhalt ist das nördlichste Weinanbaugebiet Europas. In Bad Kösen befindet sich das Landesweingut Kloster Pforta, welches ich heute besucht habe. Ich muss gestehen, dass ich mir zuvor kein Bild über die Sinnhaftigkeit eines Landesweingutes machen konnte. Aber: Alle Bundesländer, die Weinanbaugebiete haben, unterhalten mindestens ein Staatsweingut.

Das Landesweingut Kloster Pforta ist seit 1993 im Landesbesitz. Eigentlich war das Weingut, welches mit 50 Hektar das Größte im Anbaugebiet ist, immer im „öffentlichen Besitz“. Gegründet um 1154 als Weingut für das nahegelegende Kloster Pforta, welches heute die Landesschule Kloster Pforta beherbergt. Nach Herzog Moritz von Sachsen, war es ab 1815 im preußischen Staatsbesitz. In Kloster Pforta wurde damals die zentrale Forschung zur Bekämpfung der amerikanischen Reblaus eingerichtet. Noch bis in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es übrigens in den westdeutschen Weinanbauländern noch den Beruf des „Reblaus-Kommissars“. Zu DDR-Zeiten war das Weingut ein Volkseigener Betrieb.

In diesem Jahr wurde das Landesweingut Kloster Pforta GmbH an die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt verkauft. An dieser hält das Land 94,5 % der Anteile und die bundeseigene Rentenbank 5,5 %.

Der engagierte Geschäftsführer Christian Kloss führte uns durch die Rebstöcke und Weinkeller des Weingutes. Seit den 80er Jahren wird der österreichische Blaue Zweigelt angebaut. Dort stehen die nördlichsten und ältesten Rebstöcke der Sorte. Interessant ist, dass die Rebstöcke erst drei Jahre nach der Anpflanzung erste Trauben tragen. Bis dahin sind schon bereits mehrere zehntausend Euro investiert worden. Im Schnitt bringen die Rebstöcke dann bis zu 25 Jahre eine quantitativ gute Ernte. Überhaupt ist der Weinanbau ein investitionsreiches Geschäft. Ein üppiger Maschinen- und Fuhrpark muss unterhalten werden. Die Maisch- und Abfüllanlagen werden jedoch nur wenige Wochen im Jahr tatsächlich genutzt.

Der Wein lagert dann in unterschiedlich großen Holzfässern (ein Stückfass = 1200 l.), in Barrique-Fässern (immer 225 l.) und in Edelstahltanks. Dafür wird ein hoher Aufwand betrieben. Die Barrique-Fässer verlieren nach drei Jahren ihren Aromagehalt und müssen ausgetauscht werden. . Die Holzfäser können aber bei guter Qualität und Pflege über 25 Jahre genutzt werden. Die Lagerung ist kompliziert, gilt es doch ständig die Temperatur anzupassen, um die richtige Gärung zu erreichen. Während die Übersee-Anbaugebiete den Barrique-Geschmack meistens mit Holzchips erzeugen, ist das in Deutschland verboten. Deutsche Weine bekommen ihren Barrique-Aroma ausschließlich durch die Reife in den Fässern

Das Landesweingut versteht sich aber auch als Vorreiter von Produktinnovationen. Beispielsweise hat das Landesweingut als erstes Weingut, Flaschen mit Schraubverschluss ins Angebot genommen. Das mag unromantisch aussehen, ist aber auch für die längere Lagerung des Weins optimal. Das Landesweingut ist aber auch offensiver Vermarkter für die gesamte Anbauregion. Wünschenswert wäre es sicher, dass kleinere Winzer das Landesweingut auch als Lohnbetrieb nutzen und dadurch auf einen eigenen kostspieligen Maschinenpark verzichten. Das Landesweingut eine wichtige Unterstützung für die Anbauregion.

Weinanbau ist heute ein kompliziertes Geschäft. Mit viel Leidenschaft für das älteste Kulturgetränk, mit zunehmender Technisierung und der betriebswirtschaftlichen Optimierung kann offenbar mit nur gut zwanzig Mitarbeitern ein hervorragender Wein produziert werden. Ein Besuch und eine Verkostung lohnt sich!

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