Oliver Lindner

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Herz und Verstand öffnen – Fluchtgründe anstatt Flüchtlinge bekämpfen!

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Kriege, Bürgerkriege und die Folgen des Klimawandels bewegen Millionen Menschen auf der Welt, ihre Heimat zu verlassen und woanders ein besseres Leben aufzubauen. Allein auf dem afrikanischen Kontinent sind 15 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Welt ist in Aufruhr, ganze Regionen destabilisiert und über die Folgen des Klimawandels wird seit über 20 Jahren diskutiert. Es war also lange absehbar, aber in dieser Zahl von Flüchtlingen, die sich jetzt auf dem Weg nach Europa machen, nicht.

So zu tun als gehen uns die Probleme auf anderen Kontinenten nichts an, obwohl wir alle (als Industriestaaten) einen Beitrag zu diesen Krisen beigetragen haben, ist mehr als naiv. Globalisierung bedeutet eben nicht nur globalisierte Absatzmärkte für deutsche Produkte, sondern auch globalisierte Krisen mit Auswirkungen bis zur deutschen Haustür.

Vielmehr müssen wir uns jetzt der Herausforderung stellen. Wir müssen die Menschen herzlich empfangen, die Schutz vor Krieg und Verfolgung in ihren Ländern suchen. Diejenigen, die sich von einem Versprechen auf mehr Wohlstand leiten lassen, müssen wir unsere objektiven Grenzen der Integration zeigen. Seit vielen Jahren versucht die SPD in Deutschland ein Einwanderungsgesetz zu beschließen, um den Zuzug aus wirtschaftlichen (aus nicht-Asyl-) Gründen zu steuern. Wanderungen aus wirtschaftlichen Gründen sind etwas völlig normales. Auch Deutsche verlassen ihr Land, um sich woanders eine Existenz aufzubauen. Das hat nur nichts mit dem Grundrecht auf Asyl zu tun. Diese fehlende klare Trennung, die mit einem Einwanderungsgesetz möglich wäre, hat das Diskussionsklima in unserer Gesellschaft geschadet. Nur deshalb konnten sich Wörter wie „Asylmissbrauch“ durchsetzen.

Zweifellos werden uns die Flüchtlinge bereichern. Es kommen gut ausgebildete Menschen, die den Ärztemangel auf dem Land beheben werden und Ingenieure, die unsere Wissenschaft und Wirtschaft voranbringen werden. Für diese Menschen wird Integration selbstverständlich und leicht sein. Viele kommen bereits mit guten internationalen Sprachkenntnissen. Für andere Flüchtlinge werden wir größere Integrationsleistungen erbringen müssen. Nicht nur, weil wir uns davon etwas versprechen, sondern weil es eine zutiefst menschliche Aufgabe ist, denjenigen zu helfen, deren Heimat in Schutt und Asche liegt.

Gleichzeitig gibt es objektive Grenzen, die eine gelungene Integration deutlich erschweren. Es ist nicht eine materielle Grenze, sondern eine Grenze, dessen was die Gesellschaft bereit ist, zu investieren – durch eine Dialogkultur und durch ganz praktische zumeist ehrenamtliche Arbeit. Eine gesellschaftliche Diskussion darüber, ordentlich geführt und ohne Ausnutzung von von Stimmungen durch Populisten, ist notwendig. Insbesondere (aber nicht nur) Politiker müssen diese Debatte führen, vor Ort ganz konkret und gesellschaftlich.

Derzeit öffnen sich in Deutschland sehr viele Herzen und heißen die Flüchtlinge Willkommen. Das ist gut, weil wir damit unserer globalen Verantwortung gerecht werden. Wir sitzen alle in einem Boot! Den auch vorhandenen Skeptikern, den Ängstlichen, die sich um ihren persönlichen Wohlstand fürchten, müssen wir deutlich machen: Wir nehmen euch ernst, wissen um berechtigte Sorgen und werden alles tun, dass von der Seite des Staates und der Politik die Integration gelingt. Öffnet dann bitte aber auch erst euren Kopf für Argumente und schließlich auch euer Herz. Helft mit, dass diese Aufgabe gelingt. Lauft nicht denjenigen hinterher, die euch einfache Antworten geben. Das ist Ignoranz vor der Wirklichkeit.

Weglaufen können wir nicht. Mauern aufbauen – wird auch nicht funktionieren. Gerade in Deutschland wissen wir, dass keine Mauer auf Dauer die Menschen abhält. Wir müssen mit den Wanderungsbewegungen unserer Zeit lernen umzugehen und auch im Sinne einer globalen Verantwortung, die Verhältnisse in der Heimat der Flüchtlinge verbessern – und damit die Gründe für die Flucht bekämpfen. Die Welt ist komplizierter geworden. Es gibt kein schwarz/weiß mehr. Lernen wir mit dieser neuen Verantwortung und mit der neuen Herausforderung umzugehen!

 

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