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Was ist Industrie 4.0 und was geht uns das an? › Oliver Lindner

Oliver Lindner

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Was ist Industrie 4.0 und was geht uns das an?

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Industrie 4.0 ist ein deutscher Begriff für einen tiefgreifenden Wandel in der industriellen Produktion. International wird dieser Wandel unter dem Schlagwort mashine-to-mashine zusammengefasst. Bei diesem Wandel wachsen die Algorithmen mit den Maschinen zusammen. Jeder Internetnutzer kennt das: Die Services von Google funktionieren nur nach Algorithmen. Aus einer Fülle von Daten, die der Nutzer Google übermittelt, wird ein Profil erstellt, das wiederum dem Nutzer ein ihm zugeschnittendes Angebot zum Beispiel als Suchergebnis präsentiert. Die zahlreichen Datingangebote im Netz funktionieren nach dem selben Prinzip. Aber auch das Einkaufsverhalten im Internet wird so erst analysiert und dann individuell zusammengestellt. Technisch möglich ist es sogar, dem Nutzer einen individuellen Preis zu offerieren, nachdem der Anbieter durch eine möglichst genaue Profilerstellung die Bedürfnisse und die wirtschaftliche Situation des Konsumenten kennt. Das Muster ist immer das gleiche: Digital gewinnt immer.

Diese Digitalisierung wurde bislang von Innovationstreiber aus dem Silicon Valley vorangetrieben. Kein europäisches oder deutsches Unternehmen spielt in der Liga der neuen digitalen Globalisierung eine Rolle. Am Beispiel der Automobilindustrie lässt sich diese andere „Denke“ darstellen: Während die erfolgreichen deutschen Autobauer in langsamen evolutionären Schritten mit Fahrassistenzssystemen das Auto immer autonomer machen, bauen Konzerne wie Apple und Google auf vorhandenen Plattformen autonome Steuerungssysteme ein, die allein von Algorithmen gesteuert werden.

Nimmt man dieses Beispiel, sieht man die zukünftige wirtschaftliche Gefahr für den Industriestandort Deutschland. Gelingt es nicht, Technologieführer zu werden, laufen wir Gefahr, zwischen innovationstreibenden Konzernen in den USA und der Werkbank der Welt – China – verrieben zu werden. Auch bei der Entwicklung von Handy und Smartphone können wir das beobachten. Siemens und Nokia, als große Handyhersteller der 90er und 2000er Jahre, spielen heute keine Rolle mehr. Das IPhone wird in den USA entwickelt, in China hergestellt und mit einer gigantischen Gewinnspanne global verkauft. Dabei wird das Smartphone zur „Schaltzentrale“ für „Smart-Home“ und Self-Tracking. Viele andere Lösungen sind noch denkbar, die nur durch das Smartphone als leistungsstarken Taschencomputer erst massentauglich werden.

Kahle/Bussemer bringen das in der aktuellen Ausgabe der Frankfurter Hefte auf dem Punkt: „Die deutsche Industrie erbringt nach wie vor Spitzenleistungen in verschiedenen Bereichen wie Auto-, Maschinen- und Anlagenbau, doch die Digitalisierung entwertet tendenziell ingenieurs-wissenschaftliches Können und facharbeiterliche Fähigkeiten. Künftig entscheidet weniger die Professionalität als Produzent als vielmehr die neue Steuerungs,- und Anpassungs- und Vernetzungskompetenz über den Erfolg.“

Deutsche Unternehmen müssten künftig also zu ihren Industrieprodukten „Smart-Services“ anbieten. Das IPhone wirft für Apple insbesondere deswegen einen so hohen Gewinn ab, weil die Produktions- und Materialkosten so günstig sind, aber der Mehrwert für den Konsumenten weit darüber hinaus liegt. Diese Einschätzung muss man nicht teilen, die Zahlen sprechen aber eine eindeutige Sprache.

Der erste notwendige Schritt in Deutschland ist es nun, diese veränderte Denke zu verstehen und dass deutsche Unternehmen auch zur digitalen Weltspitze gehören müssen. Das Öl der digitalen Welt ist BigData, also der größtmögliche Zugriff auf Daten, die per Algorithemen die Produkte schaffen. Bislang liegen diese Daten-Farmen fast alle in den USA. Die deutsche und europäische Wirtschaft sollte sich dessen bewusst werden und dem entgegenwirken.

Das führt automatisch zur Forderung von Morozov, bestimmte Grundleistungen in der digitalen Welt wie einem E-Mail-Account zu vergesellschaftlichen. Bislang ist die gesamte Infrastruktur im Netz kommerzialisiert. Jeder Free-Account eines Mail-Dienstleister ist oder kann Teil von BigData sein. Warum soll nicht ein grundlegendes Angebot frei und allgemein zur Verfügung gestellt werden und zusätzliche Angebote kommerziell feil geboten werden? Die Frage, was alles zur öffentlichen Daseinsvorsorge – auch digital! – gehört, muss endlich anders beantwortet werden.

Der digitale Wandel ist ein breites Feld, weil er alte Denkmuster entwertet und auch die Gesellschaft nach neoliberalen Grundsätzen an Nutzerverhalten gewöhnt, die es auch zu hinterfragen gilt. Es wird Zeit für eine solche Debatte!

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