Oliver Lindner

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Mindestlohn, Mütterrente usw. – Was ist der Wert der Arbeit?

Einladungskarte

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In dieser Woche hat die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles das Gesetzespaket zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns auf dem Weg gebracht. Zum 01. Januar 2015 soll, beginnend mt einer zweijährigen Übergangszeit, der Mindestlohn in Deutschland gelten. Damit schließt Deutschland zu den 21 EU-Mitgliedsstaaten auf, die bereits eine Mindestlohn-Regelung haben. Nach neusten Umfragen entspricht der Mindestlohn (wie auch die Rente mit 63 Jahren nach mindestens 45 Beitragsjahren) das Gerechtigkeitsgefühl der ganz überwiegenden Zahl der Deutschen.

Es ist damit auch eine Antwort auf den seit Jahren beobachteten Mißstand in der Gesellschaft, wo die Schere zwischen Reich und Arm sich immer weiter öffnete und auf dem Finanzmarkt Einkommen erzielt wurden, die schwer mit erbrachter Leistung in Zusammenhang gebracht werden können. Es wird damit auch eine Gerechtigkeitslücke geschlossen, die durch die Arbeitsmarktreformen in den letzten Jahren entstanden ist.

Es ist aber auch eine Korrektur der recht platten Aussage „Sozial ist das, was Arbeit schafft“. Unbestritten ist, dass insbesondere ein Erwerbseinkommen eine wesentliche gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Eine Arbeitsgesellschaft wie unsere, definiert viele Werte immer noch um einen sehr tradierten Arbeitsbegriff. Allerdings ermöglicht ein Einkommen, welches durch staatliche Leistungen aufgestockt werden muss, sicher keine ausreichende gesellschaftliche Teilhabe.

Die Flexibilisierungsdebatte der letzten Jahrzehnte hat Spuren in den Arbeitsbeziehungen hinterlassen. Nach über 20 Jahren kontinuierlichen Mitgliederrückgangs, stabilsieren sich die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften heute wieder. Dennoch sehen heute junge und gut ausgebildete Menschen ihre Chance, eben durch temporäre Bindungen zum Unternehmen. Erst mit der Familiengründung wird nach einem verläßlichen Einkommen gesucht, was heutzutage aufgrund von Befristungen und anderen Arbeitsverträgen schwierig geworden ist. Es bleibt abzuwarten, ob der zunehmende Fachkräftemangel bei bestimmten Personengruppen nicht ehr zu einer Trendumkehr der Unternehmen führt, mit dem Versuch die Fachkräfte wieder dauerhaft zu binden.

Betrachtet man die gesellschaftlichen Debatte seit den 90er Jahren um das Thema „Arbeit“ stelle ich heute eine gewisse Ermüdung bei den Menschen fest. Der Wunsch nach Sicherheit und Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt überwiegt dem Mantra der „Verlust der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt“. Zumal das Argeument auch seit Jahrzehnten durch einen Exportrekord nach dem anderen entkräftet wird. Glaubt man den aktuellen Umfragen, wollen die meisten Menschen an dem geschaffenen Wohlstand wieder stärker selbst partizipieren. Das ist nur allzu verständlich – und im übrigen ökonomisch richtig.

Gleichzeitig werden durch staatliche Leistungen in den letzten Jahren bestimmte Arbeitsleistungen, die bislang „privat und unentgeltlich“ geleistet worden, gesellschaftlich honoriert. Die Ausweitung der Mütterrente, das Elterngeld sowie das Betreuungsgeld sind solche Beispiele. Arbeit ist also nicht nur Erwerbsarbeit. Es gibt eben auch Arbeit, die gesellschaftlich gewollt und durch eine Transferzahung gefördert werden soll.

Dieses sehr vielschichtige Thema will ich am kommenden Donnerstag im Rahmen des 1. Gommeraner Burg-Gesprächs mit der Landesbischöfin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands Ilse Junkermann und dem Präsidenten der Arbeitsgeber- und Wirtschaftsverbände in Sachsen-Anhalt (AWSA e.V.) Klemens Gutmann diskutieren. Gäste sind herzlich Willkommen. Bitte melden Sie sich auf der Website der Politikwerkstatt Sachsen-Anhalt e.V. an.

 

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