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Parteien verlieren dramatisch viele Mitglieder – und verändern sich! › Oliver Lindner

Oliver Lindner

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Parteien verlieren dramatisch viele Mitglieder – und verändern sich!

Dokumente - Mitgliederwerbung | Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)Ein Blick auf die Mitgliederzahlen der politischen Parteien in Deutschland lässt befürchten, dass es in einigen Jahrzehnten vielleicht niemanden mehr gibt, der dieses Land noch regieren möchte. Seit der Wiedervereinigung haben die beiden großen Volksparteien, SPD und CDU, gut 40 Prozent ihrer Mitglieder verloren – die FDP ist sogar um 65 Prozent geschrumpft. Unter den etablierten Parteien sind die Grünen die Einzigen, die wachsen konnten. 59 653 Menschen hatten im Dezember ein grünes Parteibuch – 44 Prozent mehr als 1990.

In Sachsen-Anhalt hat die CDU von 1990 bis 2012 rund 66 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Die SPD rund 25 Prozent (von einem viel geringeren Anfangswert) und die LINKE sogar knapp 90 Prozent.

Das geht aus einer Studie des Politologen Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin hervor. Die etablierten Parteien übertreffen dabei den deutschen Altersschnitt von rund 45 Jahren deutlich. Grünen-Mitglieder sind mit durchschnittlich 48 Jahren noch am jüngsten, Mitglieder der Linken (60 Jahre) am ältesten. SPD und CDU leiden am meisten unter dem Mitgliederrückgang, weil die Mitglieder beider Parteien traditionell aus Gesellschaftsschichten kommen, die immer kleiner werden. Die „Extrempolitisierung“ der 60er und 70er, in der eine ganze Generation junger Nachwuchspolitiker „die Alten aufmischen“ wollte, habe bereits 1975 ihr Ende gefunden. Damals nahm die SPD beinahe 100 000 Neumitglieder im Jahr auf und hatte zu Hochzeiten von Willy Brandt über eine Million Mitglieder.

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die SPD vor dem Mitgliedsboom in den 50er Jahren ein ähnlichen Mitgliedsniveau hatte wie heute. Der zahlenmäßige Absturz macht sich nur nach dem Boom der 70er Jahre deutlich.

Der Anteil der über 70jährigen ist heute in den beiden Volksparteien etwa viermal so hoch wie der der unter 25-Jährigen. In Umfragen zur Attraktivität der Berufswahl landen die Politiker regelmäßig auf den letzten Plätzen. Um ihren Nachwuchs müssen die Parteien zudem immer öfter mit Bürgerinitiativen und sozialen Bewegungen konkurrieren.

Der zahlenmäßige Verlust der Parteien wird auch noch qualitativ ergänzt. Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch nennt das heutige System eine „Postdemokratie“: Ein System, in dem Interessenskonflikte nur noch pro forma diskutiert werden. Entschieden wird allein auf der Führungsebene. Die Wahl eines SPD-Kanzlerkandidaten vor 50 Jahren wäre ohne die Zustimmung der mächtigsten Ortsvereine im Ruhrgebiet undenkbar gewesen.

In Deutschland haben die Parteien insgesamt rund 1,3 Mitglieder. Trotz sinkender Mitgliederzahlen in den Parteien sind jedoch die Zahlen der politischen Nachwuchsorganisationen einigermaßen stabil. Aber auch hier ist die Grüne Jugend die Einzige unter den Etablierten, die deutlich wachsen konnte. Seit 2005 hat sich die Zahl der Anhänger beinahe verdoppelt (2012: 7990). Die Junge Union hat im selben Zeitraum rund acht Prozent ihrer Mitglieder verloren (2012: 119 562). Die Jungen Liberalen (2012: 9783) und die Jusos (2011: 51 526) konnten ihr Niveau in etwa halten.

Die rückläufigen Zahlen der Parteien sind problematisch. Schon heute können die Auswirkungen bei der Personalauswahl zu öffentlichen Ämtern und bei der Finanzausstattung der Parteien beobachtet werden. Demokratie kann aber auch mit kleineren Parteien funktionieren, nur müssen diese auch in der Lage sein, die künftigen politischen Herausforderungen zu stemmen. Denn Parteien haben eine Schlüsselfunktion bei der Meinungsbildung in der Gesellschaft, sie sind Scharnier zwischen Staat und Gesellschaft. Diese Aufgabe ist jedoch aus unterschiedlichen Gründen schwieriger geworden. Die Parteien müssen darauf reagieren.

Bereits 2009 hat die Poliikwerkstatt Sachsen-Anhalt einen Diskurs zur Zukunft der SPD in Sachsen-Anhalt geführt. Dabei wurden gute Ideen und Perspektiven entwickelt. Politik bedarf heute mehr Transparenz, sie muss sich mehr anstrengen, die Menschen mitzunehmen und bei ihren Bedürfnissen abzuholen. Die tradionelle Organisation und Struktur ist vielleicht noch das Rückgrat der Parteien, es bedarf aber mehr temporärer Organisationsmodelle, die an die jeweilige Themenlage angepasst wird. Nur so bleiben Parteien attraktiv und kampagnenfähig. Keine einfache, aber eine machbare und notwendige Aufgabe!

Und: Ich denke, dass gerade die kommunale Parteiorganisation wahrgenommen wird. Hier liegt der Schlüssel für stabile Wahlerfolge auf „höheren Ebenen“. Eine gute kommunale Verankerung ist die wichtige Basis. Das darf nicht vergessen werden und gerade hier müssen die Parteien professionell besser werden und die Bedürfnisse der Menschen aufnehmen. Hier geht es um das „Kümmern“ und konkrete Gestalten.

 

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